Wein-Jahrgang 2022 – ein gutes Jahr?

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Es wird ein vielversprechendes Weinjahr 2022 – heißt es zumindest. Trockene Sommermonate mit anschließendem Niederschlag im Spätsommer. Das Weinjahr begann auch trocken, somit war auch die Blüte ein wenig verspätet eingetroffen. Der lange erhoffte Niederschlag sorgte aber dann in der Zeit der Blüte für hohen Pilzdruck. Endlich wieder eine Septemberlese, so die Winzer*innen aus Österreich. Durch die Trockenheit in einigen Gebieten, ist die Erntemenge im Vergleich geringer, was grundsätzlich nicht direkten Einfluss auf die Qualität verzeichnet. Zahlreiche Natureinflüsse resultierten in ein forderndes Weinjahr 2022. Fordernde Weinjahre mögen wir Sommeliers aber am liebsten, da sich hier das Spreu vom Weizen trennt. Nur erfahrene Winzer*innen wissen sich in diesen Jahren gut zu helfen und können daher auch in vermeintlich „schlechten“ Jahren herausragende Qualität in die Flasche bringen.

Schlechte Weinjahre gibt es nicht

Es gibt nämlich nur fordernde Jahre! Zum einen muss man sagen, dass die äußeren Einflüsse auf die Weinrebe (auch Terroir genannt) in jedem Gebiet unterschiedlich sind und man deshalb nicht verallgemeinern kann. Zum anderen kommt es vorerst mal drauf an, welcher Weinstil produziert werden soll. Hochgepriesene Weinjahre wie 2015 und 2018 waren überfüllt mit Sonne und geringem Niederschlag – ein Traum für kräftige Cabernet Sauvignons und Blaufränkisch aus dem Burgenland – ein Albtraum für einen frischen Riesling aus der Wachau. Durch die hohen Temperaturen und die enorme Sonneneinstrahlung produziert die Weinrebe mittels Photosynthese hohe Zuckergradationen und wenig Säure. Entweder es wird unreif geerntet, restsüß ausgebaut oder alkoholisch. Ein Ausweg wäre eine sehr kühle Lage oder ein hoher Weinberg. Dich interessiert Terroir?

„Schlechte“ Jahrgänge, wie sie in der Presse bezeichnet werden, wie 2010, 2014 und in manchen Gebieten 2016 bedeuten eigentlich eine geringere Zuckerausbeute und höhere Säurewerte. Gerade diese Weine beeindrucken aber mit einem enormen Reifepotenzial, da aufgrund der höheren Säure der Wein länger frisch scheint. Dass „zuckerarme Weinjahre“ als schlechte Weinjahre beschrieben werden liegt noch am germanischen System, welches in Österreich aber immer weniger Rolle spielt. Im germanischen System wurde Zucker priorisiert und als Qualität angesehen – was uns schlussendlich den Weinskandal 1985 brachte. Das romanische System unterteilt Qualität nach der Herkunft, was meiner Meinung nach mehr Sinn macht. Aber was ist schon Qualität – oder?

Du willst mehr über das Weinjahr 2022 erfahren? In unserem Podcast sprachen wir genau darüber mit Flo vom Weingut Alphart aus der Thermenregion in Österreich.

Bereit für den nächsten Probeschluck?

Euer Raphi

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