Teuer – teurer – Bordeaux?

Wenn man heutzutage über Bordeaux spricht, haben viele nur ca. 300 hochkarätige Chateaus im Kopf mit Weinen weit über 3-stellige Beträge hinaus. Ich als leidenschaftlicher Sommelier will nicht großartig über den Preis nachdenken, sondern über den Wein, den ich im Glas habe. Zum Glück muss Bordeaux aber nicht immer teuer sein.

Heute zu Gast im Probeschluck Podcast war Eric Bouton – ein waschechter „bordelaise“. Eric ist nicht nur wie Obelix als Kind in den Zaubertrank gefallen, sondern lebt auch für den Wein. Ein Kind von Cabernet und Merlot – aufgewachsen in der Weinwelt. „Alles Flüssige mit Alkohol ist mein Leben –  und der Wein ist meine Herz“ – ich glaube das lasse ich so mal stehen. Seine Mission? Die Welt überzeugen, dass Bordeaux mehr zu bieten hat als überteuerte Rotweine.

Du glaubst, du kennst Bordeaux? Das habe ich vor unserem Gespräch auch gedacht… Naja – man lernt ja bekanntlich nie aus. Ein Weingebiet, welches ca. 3x so groß ist wie Österreich und ungefähr jede Weinstilistik repräsentiert, kann man nicht so schnell durchblicken – man muss es leben, genau wie Eric. Denkt man über die Weine aus St. Emilion – denkt man an Merlot. Dass Merlot aber nur 55% der gesamten Rebfläche in diesem bekannten Gebiet ausmacht und Rebsorten wie der Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon und Petit Verdot auch große Rollen spielen, vergisst man dann. Ach, ich liebe unsere Lehrbücher. Rechtes Ufer – Merlot, Linkes Ufer – Cabernet Sauvignon; wenn die Weinwelt wirklich so einfach wäre, dann wären wir doch alle schon Master Sommeliers und Master of Wine oder nicht? Und überhaupt – wenn man schon eine Einteilung braucht, dann eher Cabernet im Norden und Merlot im Süden (sagt zumindest unser Eric).  Der Südliche Teil von Bordeaux weist nämlich einen höheren Kalkanteil auf als der Norden und ist daher besser für den Merlot geeignet.

Petrus, Chateau Mouton Rothschild, Chateau Cheval Blanc und wie sie nicht alle heißen – klar haben wir sie gerne und sicher sind sie ein Highlight in unseren Weinkellern. Eigentlich könnte ich den ganzen Tag über sie reden, aber heute geht es um ein anderes Thema. Bevor ich es vergesse – apropos Cheval Blanc – die neue Klassifikation in St. Emilion ist endlich da und es gibt spannendes zu berichten. So wie Chateau Angelus, Chateau Ausone ist auch Chateau Cheval Blanc der Organisation ausgestiegen. Seit 2022 sind die Premiere Grand Cru Classes A Weingüter „Chateau Pavie & Chateau Figeac“ – aber jetzt genug mit den Neuigkeiten.

Wir Weinkenner – also du, Eric und ich – müssen fast schon gegen das überteuerte Image von Bordeaux kämpfen. Dabei hat diese wunderbare Region viel mehr zu bieten.
Eric erinnert sich noch an seine Kindheit, als man Wein noch in 500 Liter Kanister abgeholt hat. Manchmal hat man sogar ganze Fässer direkt vom Weingut gekauft und selbst in Flaschen gefüllt. Es soll sogar noch heute kleine LKW geben, die in Bordeaux unterwegs sind und die Weine von den Weingütern direkt zum Kunden bringen. Heute jedoch nicht mehr in Holzfässern, aber in „Bag in Boxen“. Für ein Wein, der schnell getrunken wird – laut Eric überhaupt kein Problem. Das perfekte Beispiel, dass Bordeaux nicht immer teuer sein muss, sieht man praktisch in jedem Restaurant und in jeder Bar – Lillet. Nicht gewusst? Die Basis von diesem Produkt, welches du dir am Samstagabend mit deinen Mädels gönnst, ist ein Wein aus Bordeaux.

Aber jetzt mal ehrlich – warum spricht jeder über Bordeaux? Was macht es so einzigartig?

Ein Gebiet, welches nie langweilig zu trinken wird. Schaumwein, Weißwein, Süßwein, Rotwein – von trocken bis lieblich und leicht bis kräftig. Sogar Weinbrand gibt es dort. (Jetzt versteh ich, warum Eric froh ist, in Bordeaux aufgewachsen zu sein.). Dieses Weingebiet hat es geschafft, immer an der Spitze der Weinwelt zu sein. Es gibt, denke ich, keine Stadt, die so von Wein lebt wie Bordeaux – praktisch kein Platz für Industrie.

Der Hauptgrund für den Erfolg war, erlaubte Rebsorten einzugrenzen und wirklich nur Reben anzupflanzen, die sich dort gut entwickeln können. Für Eric waren es aber auch schon immer die Menschen, die diese Region so geprägt haben. Apropos erlaubte Rebsorten – neue beziehungsweise alte Rebsorten sind in das Portfolio der berühmten Region mitaufgenommen worden. Arinarnoa, Castets, Touriga Nacional und Alvarinho Lilorila sind unter anderem seit kurzem zur Anpflanzung erlaubt. Jedoch nur zu 5% der Gesamtfläche des Weingutes und nur 10% dieser Rebsorten in einer Cuveé – die waren immer schon streng die Franzosen.

Unter anderem hat Bordeaux ein klimatisches Glück. Die Nächte im Sommer sind aufgrund vom Atlantik kühler. Dadurch verhilft eine erhöhte Säure zu etwas Frische – oder wie Eric sagt: eine perfekte Ausbalancierung zwischen den „ingrédients“.

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Und falls du mehr über das wirkliche Bordeaux erfahren möchtest, dann schau vorbei bei unserem Probeschluck Podcast. Den gibt es überall da, wo es Podcasts gibt.

Bereit für den nächsten Probeschluck?

Euer Raphi

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